Wie informiert das Fernsehen?

Beitrag in der ZDF-Sendereihe „betrifft: Fernsehen”
Gesendet am 11.12.1975 um 21.30 Uhr
Vertrieb durch Bundeszentrale für politische Bildung

Weil meine erste ZDF-Sendung sensationell erfolgreich war (SZ), hat das ZDF mein folgendes Forschungsprojekt sehr großzügig finanziert. Mein Interesse war, die Qualität der politischen Information wissenschaftlich zu untersuchen. Als Analyse-Thema wurde mir der „Bürgerkrieg in Nordirland“ vorgegeben. Ich hatte freien Zugang zu allen Filmarchiven des ZDF. Bei der Sichtung des gesamten Materials ergab sich für mich die grundsätzliche Frage: Mit welchen filmischen Methoden werden die verschiedenen Informationen vermittelt? Mit empirischen Zuschauertests wollte ich klären, wie das Publikum TV-Informationen versteht. Das Projekt wurde ein Beitrag zur Grundlagenforschung (siehe Bild-Text-Schere) .

… in einem brillanten, sachlich aufregenden 135-Minuten-Lauf ging Wember mit der Fernsehinformation ins Gericht… Wember testete die Wirkung der Nordirland-Berichterstattung. Erschreckendes Ergebnis: Informationen wurden nur von 20 Prozent der Zuschauer verstanden und behalten. 80 Prozent der Zuschauer hielten die Filme jedoch für informativ und verständlich. Den Gründen dieses krassen Auseinanderklaffens von Meinung und Realität suchte Wember nachzugehen. Ein Meilenstein der Fernsehkritik …

Neue Zürcher Zeitung

… Respekt und hohes Lob. In einem furiosen Kolleg wurden am Beispiel der Nordirland-Berichterstattung die Praktiken jener Bildreportagen erläutert, deren Grundgebot lautet „Bewegung ist alles”. Inhalt ist nichts. Eine Vorlesung im Stil des Brechtschen Theaters. Unterhaltlich und belehrend zugleich, exakt gegliedert und witzig… Das war beispielhaft und schulbildend, was Wember an diesem Abend zur Darbietung brachte. Der Mann hatte ein Konzept und er konnte seine Axiome in einer Weise belegen, die in jedem Augenblick den Kenner verriet …

Die Zeit

… Kammerjäger mit Stoppuhr. Wember, bei allem Respekt, verrennt sich in eine steril quantifizierende Aufbereitung. Entwesungsversuche des Kammerjägers, mag er auch noch so redlich sein …

Die Welt

… zugleich anschaulich und wissenschaftlich, populär und didaktisch führt der Medienforscher Bernward Wember im ZDF einen abendfüllenden Indizienbeweis über den Wert politischer TV-Informationen. Gründlicher, seriöser und auf sachliche Weise spannender ist Fernsehen im Fernsehen noch nicht kritisiert, härter noch nie abgeurteilt worden …

Der Spiegel

… der bisher wohl aufschlussreichste selbstkritische Fernsehfilm, und weil er gut gemacht war, war er auch spannend. Eine faszinierende Schule des Sehens …

Rheinische Post

… Lernen muss doch nicht weh tun. Welches Bild vom Zuschauer herrscht, wenn Interesse und Rezeptionsfähigkeit stundenlang unterstellt wird? Ich kenne Interessierte, die eingeschlafen sind …

Das Parlament

… Bernward Wember brachte fertig, was bisher keinem Fernsehkritiker gelungen ist: Ein sehr langer Film mit größtem Informationswert kann erinnerbar und attraktiv sein. Wembers Werk könnte und sollte die gesamte Fernsehinformation auf den Kopf stellen …

Tages-Anzeiger Zürich

… Nein, so wird der Betrachter am Bildschirm die Techniken seines Mediums niemals erlernen, ein Musterbeispiel schlechter Didaktik. Wie anders, den Zuschauer mit sokratischer List in seine Denkoperationen einbeziehend, operiert da vor Wochen im ZDF der Medienkritiker Wember …

Die Zeit

… o, was hätte der von mir seinerzeit als „etwas zu umständlich“ charakterisierte Bernward Wember mit seiner didaktischen Elle aus diesem Material nicht alles herausgeholt. Ich muss ihm Abbitte tun. Hier lernte man seine Pedanterie schätzen …

Pressedienst epd

… selten wurde eine Sendung so hymnisch gelobt. Die Analyse veranlasste eine recht unterschiedlich zusammengesetzte Kritikerschar zu lobpreisenden verbalen Kopfständen …

Süddeutsche Zeitung