Medienarbeit

Ich bin emeritierter Professor für Medienwissenschaft. Hier geht es um die Wirkung meiner Medienarbeit.

Die Theorie der „Bild-Text-Schere“ beruht auf Wirkungsforschung mit Publikum und wurde zum allgemeinen Kriterium für die Gestaltung von Informationsfilmen.

Der ZDF-Film „Wie informiert das Fernsehen?“ wurde zum Bestseller der Bundeszentrale für politische Bildung.

Der Film „Vergiftet oder arbeitslos?“ verursachte den ZDF-Chemie-Skandal. BASF, BAYER und HOECHST bedrohten das ZDF mit einer Millionen-Klage. Der Film wurde in einer verkürzten Version gesendet, die Langfassung bekam den Deutschen Kritikerpreis.

Eine seltsame TV-Geschichte

Juristischer Eingriff in den ZDF-Film
„Vergiftet oder arbeitslos?“

Nur drei Filme habe ich für das ZDF gemacht – mehr waren es nicht. Aber diese drei Filme haben unkonventionelle Fernseh-Geschichte geschrieben. Als Medienwissenschaftler möchte ich die Fakten dokumentieren. Beispielsweise bekam mein Film „Wie informiert das Fernsehen?“ folgende Bewertung:

… selten wurde eine Sendung so hymnisch gelobt. Die Analyse veranlasste eine recht unterschiedlich zusammengesetzte Kritikerschar zu lobpreisenden verbalen Kopfständen …

Süddeutsche Zeitung

Eine sehr ungewöhnliche Bewertung für einen medienwissenschaftlichen Informationsfilm, in dem ich die Ergebnisse meiner empirischen Zuschauerforschung vorgestellt habe. Der Film hat sogar mit 135 Minuten deutliche Überlänge. Trotzdem wurde das Werk nach der Ausstrahlung zum Bestseller der Bundeszentrale für politische Bildung.

Es klingt abenteuerlich, aber die Verantwortlichen des ZDF wollten den Film nicht senden. Der Film sollte im Giftschrank verschwinden, weil er die Informationspraxis des Fernsehens zu kritisch dargestellt habe.

Ich verdanke engagierten Redakteuren von SZ, FR und FAZ, dass mein Film gerettet wurde. In einer nächtlichen Blitzaktion haben die Fachjournalisten den Film angeschaut, für gut befunden und umfangreiche Gutachten verfasst. Diese qualifizierten Beurteilungen haben es tatsächlich geschafft, die Verantwortlichen des Senders umzustimmen. Der Film wurde schließlich doch gesendet – und er wurde…

… ein Meilenstein der Fernsehkritik …

Neue Zürcher Zeitung

Vergiftet oder arbeitslos?

Eine sehr unkonventionelle Wirkung hatte auch mein Film „Vergiftet oder arbeitslos?“. Die chemische Industrie war so empört, dass die Konzerne dem ZDF mit einer Millionen-Klage drohten. Deshalb wurde sogar im Deutschen Bundestag eine wütende Anfrage an den Bundesinnenminister gerichtet, weshalb er einen so skandalösen Film für die Bundeszentrale für politische Bildung freigegeben hat. Die aufgeregten Turbulenzen konnten nach umfangreichen Verhandlungen mit einem brisanten Kompromiss beigelegt werden.

Der skandalöse Film bekam den Deutschen Kritikerpreis und wurde so beurteilt:

… eine neue Mediensprache. Wember bedient sich bei seiner Realitätsvermittlung im Sinne Brechts verschiedener Stilformen, die in ihrer Wirkung präzise kalkuliert sind …

Frankfurter Rundschau

Wieso denn ideologisch?

Begonnen hat diese ungewöhnliche Fernseh-Geschichte mit einer wissenschaftlichen Filmanalyse. In meinem ersten ZDF-Film „Wieso denn ideologisch?“ konnte ich einen Zusammenhang von formaler Filmgestaltung und ideologischen Einflüssen nachweisen. Die Analyse bekam 1973 den Grimme-Preis des Publikums und außerdem diese Beurteilung:

… obwohl die Sendung im Nachtprogramm zu spätester Stunde ausgestrahlt wurde, hatte sie ein geradezu sensationell starkes und positives Echo. Das Ausmaß der Zuschauerpost fand das ZDF für den späten Sendetermin so einmalig, dass man die Sendung zu einer günstigeren Stunde wiederholen will …

Süddeutsche Zeitung

Neben positiven Resonanzen gab es in der Presse auch scharfe Kritiken, die mit meiner medienwissenschaftlichen Methode nicht einverstanden waren:

… steril quantifizierend …

Die Welt

… Schulfunk für Nachtschwärmer …

Kieler Nachrichten

… Pilotunternehmen an der Schallmauer …

Frankfurter Allgemeine Zeitung

… es ist nicht zu begreifen, wie Wember auf Stammtischniveau seinen mediendidaktischen Ansatz pervertieren konnte. Die Droge Fernsehen muss ihn vergiftet haben …

Augsburger Allgemeine

Die heftigste Auseinandersetzung hatte ich mit dem renommierten Autor und Filmemacher Georg Stefan Troller, der mich zu einem Streitgespräch nach Paris eingeladen hat. Gestritten haben wir über meinen grafischen Trickfilm Das Irland-Modell. Mit diesem Experiment habe ich versucht, die komplizierten historischen Hintergründe des Bürgerkrieges in Nordirland verständlich zu machen. Troller war entsetzt, weil er meine grafische Darstellung als Bedrohung erlebt hat für seine Filmreportagen. Er konnte nicht akzeptieren, dass mein Trickfilm nur als informative Ergänzung, nicht als Ersatz konzipiert war.

Die Bild-Text-Schere

Ein Résumé meiner Forschungsarbeit ist das Modell der Bild-Text-Schere. Ein leitender Redakteur vom Tages-Anzeiger Zürich schrieb mir:

… bei uns in der Schweiz – auf allen Redaktionen, auf denen ich tätig war, und auch an den Journalistenschulen – fällt sehr oft der Begriff „Bild-Text-Schere”. Da habe ich mal gegoogelt, woher der Begriff eigentlich stammt und wer den erfunden hat. Und ich habe mich sehr gefreut, als ich Ihren Namen las …

Die Bild-Text-Schere ist inzwischen ein gängiger Begriff in der Medienpraxis. Dabei wird oft vergessen, dass die Theorie auf empirischer Wirkungsforschung aufbaut. Deshalb erscheint mir eine Zusammenfassung der Fakten auf dieser Website sinnvoll.

Juristische Einschränkung

Für die Dokumentation meiner drei ZDF-Filme hat die Rechtsabteilung des ZDF festgelegt, dass ich von den Filmen nur Mini-Videos als Zitate zeigen darf. Ich muss mich also an maximale Laufzeiten von jeweils drei Minuten halten. Um meine Darstellungsmethoden zu erläutern, zeige ich einige ergänzende Screenshots.